VW und Brasilien
Zur Zeit des brasilianischen Präsidenten Juscelino Kubitschek, der dem genialen, jüngst mit 104 Jahren verstorbenen Architekten Niemeyer den Auftrag gab, eine völlig neue Hauptstadt im Landesinneren, Brasilia, zu entwerfen und bauen zu lassen, rief er auch Volkswagen auf, ein Werk in Brasilien zu erstellen. Das wurde getan und fortan war der Name Volkswagen nicht mehr aus dem brasilianischen Sprachgebrauch wegzudenken. Der Käfer, hier “Fusca” genannt, wurde zum weitaus meist gekauften Auto (wie auch in Deutschland) und wurde noch lange nachdem er in Deutschland bereits ersetzt war, in Brasilien als idealer Wagen gebaut und gefahren.
Kurz nach dem Käfer stellte die VW-Fabrik in São Bernardo do Campo im Grossraum São Paulo auch den “Bully” vor, damals in Deutschland noch “VW-Bus” genannt, in Brasilien heisst er “Kombi”. Dieser Kleintransporter oder Kleinbus wird hier bis heute gebaut. Etwa 20 000 Stück pro Jahr finden noch einen Abnehmer. Er ist nur in weiss zu haben und hat nicht mehr den Käfer-Motor, der ihm die ganze Zeit das typische Motorgeräusch verpasste, sondern ist heute mit einem Motor von Ford ausgerüstet, der ihm sogar eine bestimmte Beschleunigung ermöglicht.
Mit Ford versuchte Volkswagen auch in den Neunziger Jahren eine brasilianische Fusion (“Autolatina”), was aber keine gute Idee war und nach kurzer Zeit wieder abgeblasen wurde.
Die Käfer-Nachfolge war in Brasilien schwierig, denn der als Nachfolger vorgesehene Golf war zu teuer und aufwendig für den brasilianischen Markt. Da kam VW auf die Idee, einen ‘Gol’ (Tor) herauszubringen, der am Anfang noch mit Käfer-Motor, aber vorne, ausgerüstet war. Der schlug ein und ist seitdem Jahr für Jahr in mehreren Neuauflagen das in Brasilien meist gekaufte Modell.
In den Neunziger Jahren gab es noch einmal eine Neuauflage des Käfers, aber das wurde bald als überholt angesehen.
Hier kann man noch oft Käfer fahren sehen, nicht nur die von der Neuauflage aus den Neunzigern, sondern auch noch die alten aus den Siebziger-Jahren. Das geht natürlich nur, weil es hier kein Eis und Schnee und damit auch kein Streuzalz gibt.
Heute ist Volkswagen hier deutlicher Konkurrenz ausgesetzt. Fiat verkauft in Zahl der Autos bereits mehr als Volkswagen und auch GM und Ford sind gut vertreten. Dazu kommen jetzt auch noch insgesamt 11 weitere Autobauer, die sich in den letzten Jahren hier angesiedelt haben.