Wird Gauck „Bürgerpräsident“?

 Ein Interview von 2010 entlarvt ihn

Ein Interview, das Gauck vor zwei Jahren gab, als er nicht wissen konnte, er wird eine neue Chance haben, Bundespräsident zu werden, entlarvt ihn. Er ist nichts als ein in extremen Freund-Feind-Denken für den Kapitalismus und gegen den Sozialismus verfangener und im Jahr 1990 stehen gebliebener  Reaktionär ohne irgendeinen Kontakt zum momentanen Deutschland (wenn man von seinem Fahrer absieht).

 

Das Interview wurde in der „sueddeutsche.de“ erneut verlinkt, weil man offenbar glaubt, Gauck damit einen Gefallen zu tun. Doch wenn man genau nachliesst, entdeckt man die reaktionäre Gesinnung hinter den schönen Worten.

Charakteristisch, wie er darauf reagiert, die Behandlung der neuen Bundesländer sei eine „Deindustrialisierung“ gewesen. Hören Sie Originalton Gauck: „Durch den Kommunismus ist eine gesunde Wirtschaftsstruktur absolut ruiniert und ausgelöscht worden.(…) von sehr lebendigen Handwerksbetrieben. Wo sind diese Betriebe geblieben? Sie sind abgewandert oder liquidiert oder in sozialistische Großbetriebe umgewandelt worden. Der einzelne Handwerksbetrieb, der einst in seinem Kaff Uhren zusammenbaute, Laternen fertigte oder Strümpfe wob, war weg. Es gab die großen Kombinate, die mit ihrer riesigen Belegschaft, ihrem mangelhaften Produktionsausstoß und mit einer hochbescheidenen Qualität wie dem Trabant meinten, man sei weltmarkfähig.“

Er negiert die gewaltige Deindustrialisierung der neuen Bundesländer durch den Westen nach der „Wende“. Er propagiert, nur Handwerksbetriebe würden Qualität erzeugen, Grossbetriebe nicht. Wenn angeblich nur wegen des scheinbaren „Sozialismus“ die Grossbetriebe „hochbescheidene Qualität“ produzierten, warum wurden sie dann geschlossen, statt ihnen mit kapitalistischen Konzepten beizubringen, Qualität zu produzieren? An diesem Paradoxon merkt man schon, es geht Gauck nicht um realistische Einschätzungen. Er ist bis heute mit geiferndem Hass gegen das damalige DDR-System durchdrungen und sieht sich deshalb gezwungen, unsinnige Aussagen zu machen.

Ganz anders sieht er dagegen die Bundesrepublik. Lassen Sie uns hören, was er da sagt: „Die Leute müssen aus der Hängematte der Glückserwartung durch Genuss und Wohlstand aufstehen. Sie dürfen nicht erwarten, dass andere für sie agieren. (…) Wenn es uns rundum gutgeht, ist die Herausforderung nicht so stark, sich definieren zu müssen. Das Leben vollzieht sich. Es ist angenehm, oft auch locker, unterhaltsam.“ Er meint das völlig ernst, er meint, die Bundesrepubklik sei nichts als Genuss und Wohlstand. Hören wir weiter: “ … in einem Land, das im Westteil 60 Jahre Freiheit, Bürgerrechte, Menschenrechte, Herrschaft des Rechtes und aggressionsfreie Außenpolitik erlebt hat. Alle diese Güter sind nicht geträumt. Sie sind real.“

Können Sie in diesen Worten die Bundesrepublik wiedererkennen? Das Land , in dem die faschistischen Massenmörder und Menschenrechtsverletzer zu 99% nicht verfolgt und angeklagt, geschweige denn verurteilt wurden. Das Land , in dem fast alle unmenschlichen Richter des Hitlerstaates wieder in Amt und Würden sassen. Das Land, in dem der wichtigste Unmensch-Interpret der faschistischen Rassengesetze Staatssekretär wurde. Das Land, indem es ein notorischer Faschist zum Ministerpräsidenten Baden-Württembergs brachte. Das Land, das entscheidende Verantwortung für Tausende von Ziviltoten beim Nato-Überfall auf Serbien hatte und heute für Tausende von Ziviltoten in Afghanistan (mit-)verantwortlich ist. Das  Land in dem schon einmal ein hessischer Ministerpräsident Steuerfahnder, die offenbar hinter „Freunden“ her waren, für verrückt erklären liess  – und damit durchkam!

Man könnte die Aufzählung hier noch seitenlang fortsetzen, die belegt, die Bundesrepublik ist und war nie eine Rechtsstaat und ein Staat von Bürgerrechten.

Aber Gauck kann das nicht sehen. Er sieht nur die zweifellos vorhandenen Unmenschlichkeiten des DDR-Regimes, schloss aber in seiner neuen Heimat schlicht und einfach die Augen vor allem, was die Unterschiede fast verschwinden lässt. Seinem unbändigen Hass auf das DDR-Regime entspricht an Intensität nur seine blinde Anbetung der Bundesrepublik.

Und er hat natürlich ein Problem mit den Ausländern und den Hartz-IV-Geschädigten. Hören Sie nur, was er zu Sarrazin sagt: „Er ist mutig und er ist natürlich auch einer, der mit der Öffentlichkeit sein Spiel macht, aber das gehört dazu.“

Das ist ein Freibrief für Sarazzin und alle seine Nachfolger. Und auf die Frage: “Macht Sarrazin nicht mit seinen oft polemischen Äußerungen eine nüchterne Debatte unmöglich?” sagt er: “Zu solchen Debatten gehört die Zuspitzung und auch die populistische Übertreibung. Daran krepiert das Land nicht gleich. Darum schaue ich etwas ängstlich auf eine Entwicklung, die Peer Steinbrück jüngst als “Kultur der Wohlfahrtsausschüsse” umschrieben hat.“ Und weiter: „Auch Einwanderer müssen ihren Beitrag leisten. Das ist eine Zumutung, die wir bestimmten Milieus etwa aus den ländlichen Gegenden im Osten der Türkei abverlangen müssen. Aber wir dürfen die Menschen nicht ruhigstellen durch Versorgung. Das perpetuiert Abhängigkeit. Demokratie ist auf Mitwirkung angelegt. Im Gegensatz zur linken Propaganda muss klar sein, das wir den Menschen nichts Böses tun, wenn wir ihre Mitwirkung stimulieren und fordern.“

Hören Sie, was er meint? Ja, genau: Die Ausländer aus unseren Sozialsystemen schmeissen! Die Lufthoheit über gewissen Stammtischen lockt!

Und mit den Hartz-IV-Geschädigten sieht er das ähnlich: Auf die bereits bezeichnende Frage: „Wie bringen Sie das den Menschen bei, die Hartz IV empfangen und ihre Kinder nicht jeden Tag zur Schule bringen, weil sie keinen Sinn darin sehen? sagt Gauck: “Erst einmal sage ich ihnen, dass es keine Tugend ist, wenn man dort sitzt, den ganzen Tag Zeit hat und den Gören kein Mittag macht. Das darf man auch kritisieren.“ Und: „Neulich erzählte mir mein Fahrer von seinem Cousin, der mit den gesamten Sozialleistungen ungefähr 30 Euro weniger als er hat. Mein Fahrer muss aber fast immer um fünf Uhr aufstehen. Er sei der Dumme in der Familie, aber er sagte mir auch: “Ich kann das nicht, ich kann nicht so dasitzen.”“

Er suggeriert, die Hartz-IV-ler sässen einfach ‘so da’, weil sie dies einer Arbeit bevorzugen. Das ist schon harter Tobak und ist nicht einfach nur eine Meinung. Da wird eindeutig die Lufthoheit über bestimmten Stammtischen angestrebt.

Auch seine Sicht der Proteste gegen die Atomkraftwerke ist – um es vorsichtig auszudrücken – etwas eigenwillig: „ … wenn es um die Nutzung der Atomenergie geht. Wir sollen auf Aktionsformen verzichten, die auf die Angst von Menschen setzen und daraus eine Dynamik ableiten”.

Vor allem hat er natürlich eine eigene Anschauung von Demokratie. Das ist nicht die Volksherrschaft, nein, da liegen Sie völlig falsch, hören sie nur: Auf die Frage „ … dass man mitunter eine Politik macht, die nicht dem Mehrheitswillen der Bevölkerung entspricht? Ist das überhaupt noch demokratisch?“ antwortet er: „Natürlich! Mutige Politik offenbart die Anliegen. Und indem es offenbart wird, wird es mehrheitsfähig [Unter „mehrheitsfähig“ verstehen die bürgerlichen Politiker parlamentarische Mehrheiten]. Übrigens: Es ist ein Irrtum, zu glauben, Schröders Politik von Fördern und Fordern sei nicht in der Gesamtbevölkerung mehrheitsfähig gewesen. Der Erfolg war nur in der eigenen Partei und im eher linken Milieu begrenzt.“

Da haben wir uns die Montagsdemonstrationen mit über100 000 in mehreren Städten nur eingebildet. So biegt man sich die Realität zurecht, wenn man mit ihr nicht einverstanden ist.

Ja, so ist das, wenn der einzige Kontakt zum „gemeinen Volk“ der Fahrer ist, den er auch noch so schlecht bezahlt, dass er nur 30 Euro über Hartz IV liegt.

Nun können wir auch in etwa nachvollziehen, warum sich so viel aus der damaligen DDR über seine Handhabung der Stasi-Aktien beschwert haben. Auch wenn ein „Deckname“ für jemand angelegt wurde, der lediglich „abgeschöpft“ wurde, bezeichnete Gauck ihn als ‚Stasi-Spitzel’.

Nun, Gauck wird ebensowenig wie andere Bundespräsidenten vor ihm auch nur annähernd soviel anrichten können wie dort in der „Gauck-Behörde“ oder wie die Politiker in Aktivität. Es wird aber nützen, ihn als Reaktionär und als begeisterten blindwütigen Kapitalismus-Anhänger zu kennen, so dass man ihn ignorieren kann.

Falls dies jemandem noch nicht reicht, hier gibts noch mehr zu Gauck.

Noch mehr zu Gauck hier – und auch weitere Links zu dem Mann.

Hier noch ein Link zu zwei Artikeln über Gauck:

 

 

 

Verwandte Artikel

· Gelesen: 3816 · Heute: 2 · Letztmalig: 28. Mai 2017

4 Gedanken zu “Wird Gauck „Bürgerpräsident“?

  1. Die Springerpresse, besser WO , versucht, die Kritiker mundtod zu machen. Ätzer gegen Gauck.

    Die Linklisten über Gauck habe ich mir ebenfalls angesehen und ich befürchte, wie andere User auch, das uns dieser Staatsmann (..?) nichts als eine Vertiefung in Sachen Entsolidarisierung bringen wird – zumal derzeit recht viel Ablenkung wegen der Krise gemacht wird. Wie zur WM 2006 – still und heimlich neue Gesetze durchwinken. Schwupps. Keiner hats gemerkt.

    Es ist derzeit sehr einfach, mit den Leuten zu spielen, sie zu verwirren und in die Irre zu führen.

    Weitere Gesetze, zur Terrorabwehr, Überwachung der Bürger und erhebliche Einschränkungen im Kommunikationsbereich werden folgen, denn, so denke ich, dieser BP wird sie einfach unterzeichnen. Auch die Hartz 4 Hetze wird nicht aufhören, dafür ist schon mehr als ein Kind in den Brunnen gefallen. Schuld sind dann immer die, die nicht arbeiten wollen, was in so vielen Fällen schlicht gelogen ist, aber die Mehrheit der Bevölkerung hört darauf.

    Ich las aus den USA einen Bericht über Arbeitslose, die immer einsamer werden, weil sich ihre “Freunde” nicht mehr blicken lassen. Hast du Geld, bist du was. Hast du kein Geld, stehst du leer da. Wie drüben, so auch hier, diesmal mit kirchlichem Segen vom BP.

    Garantiert. Der Gauck, wenn er denn tatsächlich dran kommen soll, wird diesen neoliberalen Weg fortführen. Ich bin mir da sicher. Das Volk, was mir mal waren, ist sowas von entzweit, das läßt sich nicht in einer Legislaturperiode kitten.

  2. Sehr schöner Artikel, Karl!
    Aber leider ist es ja eben so, dass sie alle in den gleichen Sandkästen spielen und somit beisst da ohne Mehrheitsbeschluss nicht einfach Einer den Anderen! Siehe Atlantik – Brücke!

  3. Respekt!
    Bis jetzt die beste Analyse zu der Person die ich lesen durfte.
    Was ich gesehen habe:
    einen 72 jährigen
    der von sich sagt er sei ungewaschen und verwirrt.
    Sowas kenne ich aus Altenheimen.

  4. Der Mann passt wie Arsch auf Eimer in die Landschaft eines Establishments, das sich einen Spaß daraus macht, die Loser, die der Kapitalismus produziert, zu beschimpfen und wenn ihm zu dem was sein Fahrer ihm erzählt nicht mal im entferntesten einfällt, dass ihn vielleicht zu schlecht bezahlt -mal außen vor, dass die “Berechnungen”, die dort angestellt werden, meistens eh nicht stimmen, dann kann man dem Mann eh nicht mehr helfen. Aus diesem Brei aus elitärer Arroganz und vornehmer Dummheit gibt es argumentativ keinen Ausweg. Sehe ich auch so: ein blindwütiger Reaktionär, weit weg von den Realitäten der Gesellschaft, argumentativ etwa auf dem Niveau eines Westerwelle und seiner “spätrömischen Deakadenz”. Widerlich.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

kostenloser Counter