Kein Ausweg für den Euro

Italien! Ich sage immer wieder Italien!

Im Grunde, wenn man es auf die Goldwaage legt, ist das Euro-Schicksal Griechenlands, Irlands und Portugals gar nicht so ausschlaggebend. Man könnte, wenn es nur um diese drei Länder ginge, tatsächlich vielleicht versuchen, die ganzen Miesen auf die anderen Euro-Staaten zu verteilen und so den Euro zu retten (vorausgesetzt es ginge wirklich darum). Aber wenn dann Spanien kommt,wird die Sache schon praktisch unbezahlbar, den Spanien ist grösser als die drei anderen Länder zusammen und wenn es am Ende schliesslich um Italien geht, so kann man nicht einmal mehr im entferntesten daran denken, so viele Billionen Euro aufzubringen, dass man Italien und damit den Euro retten könnte. Italien ist „zu gross, um gerettet zu werden“ – und das bei weitem.

 

Darum wurde hier im Blog auch schon klar gesagt: Italien wird am Ende der Euro-Killer sein, „Italien – der Euro-Killer“, hier.  

Nun hätte ja zumindest theoretisch noch eine Chance bestanden, Italien vielleicht aus dem Kreuzfeuer zu nehmen, wenn man mit riesigen europaweiten Konjunkturprogrammen die italienische Wirtschaft angekurbelt hätte, grosszügige Unterstützungen für italienische Export-Industrien gegeben hätte, den Binnemarkt mit deutlichen Lohnerhöhungen angekurbelt hätte usw., um Italien durch Wachstum aus der Krise zu führen. Aber dazu hat es ja nicht einmal den Ansatz, geschweige denn einen Versuch gegeben. Im Gegenteil. Man setzte mit Monti einen „Sparkommissar“ an die Stelle des Ministerpräsidenten – übrigens völlig ohne Wahlen, durch nichts demokratisch gerechtfertigt!

 Was der macht und machen sollte, ist klar: Genau das Gegenteil von einem Konjunkturprogramm, die „Austerity“-Policy. Es werden Steuern für den „kleinen Mann“ erhöht, das Rentenalter heraufgesetzt, die Lohne gekürzt, Staatsbedienstete entlassen und dem Rest die Gehälter gekürzt. Auf diese Weise war vorher schon Griechenland in die Wirtschaftskrise gestürzt worden – und jetzt ist Italien dran.

 Lesen Sie einfach einmal die folgenden aktuellen Zahlen zur Wirtschaftsentwicklung in Italien und Sie werden sehen, alles läuft auf die Wirtschaftskrise hinaus und damit auf immer höhere Staatsverschuldung pro Brutto-Inlandsprodukt (BIP) und damit direkt in die Pleite – die dann auch die Pleite des Euro wird.

„Das [italienische] Aussenhandelsvolumen schrumpfte weiter. Saisonbereinigt ging der Export von Waren und Güter um -2,5% zum Vormonat zurück und das Importvolumen um -0,5%.“ (Diese und alle weiteren Zitate aus dem höchst hilfreichen Blog „querschüsse“ in diesem Artikel „Italien im Abwärtssog“.

„Mit dem schwächelnden Export und dem steigenden Import stieg auch wieder das Handelsbilanzdefizit auf -4,350 Mrd. Euro.“

 „Zuletzt im Gesamtjahr 2011 wurde ein Handelsbilanzdefizit von -24,333 Mrd. Euro generiert! Etwas mehr als die Hälfte des Defizits resultierte nur aus dem Handel mit Deutschland, -12,999 Mrd. Euro!“

Es wird damit klar: Das Hauptproblem der Euro-Zone war und ist die Über-Export-Macht Deutschland, die den anderen – und besonders den schwächeren – die Luft zum Atmen nimmt.

„Im Januar 2012 wiesen alle Teilbilanzen der Leistungsbilanz ein Defizit aus, so die Handelsbilanz, die Dienstleistungsbilanz und die Teilbilanzen aus Erwerbs- und Vermögenseinkommen sowie aus den laufenden Übertragungen.“

„Gestern berichtete die italienische Zentralbank Banca D’Italia die monatlichen Daten zur Staatsverschuldung Italiens (…). Im Januar 2012 stieg die Bruttostaatsverschuldung Italiens um +37,889 Mrd. Euro zum Vormonat, der höchste Anstieg seit Beginn der monatlichen Datenreihe, auf 1,935829 Billionen Euro.“

„Bei einem nominalen BIP Italiens mit 1,580807 Billionen Euro im Jahr 2011, entsprach die Staatsverschuldung im Januar 2012 signifikante 122,46% des nominalen BIPs!“

„… die Troika-Maßnahmen fahren die gleiche Ernte ein, wie in den anderen Ländern der [europäischen] Südperipherie. Aberwitziger Weise wird mit dem Sparen keine relevante Entlastung beim Zwillingsdefizit aus Leistungsbilanz und Staatshaushalt eingefahren, aber es wird hingegen die wirtschaftliche Aktivität abgewürgt! Dies ist Wahnsinn pur und ein weiterer Garant für den Niedergang der Eurozone!“

 Wer jetzt immer noch behaupten will, der Euro habe eine Möglichkeit zu überleben, der kann nicht lesen.

 

Verwandte Artikel

· Gelesen: 4058 · Heute: 2 · Letztmalig: 23. Juli 2014

6 Gedanken zu “Kein Ausweg für den Euro

  1. In einem System ohne Zölle und eigene Währung und ohne Kapitalkontrolle kann nur ein Land überleben. Das wirtschaftlich Stärkste. Noch besser, wenn es auch das militärisch Stärkste ist.

    Wenn das Kapitakl die Möglichkeit hat, dort hinzugehen, wo der größte Profit herausspringt, dann tut es das auch!

    Und eines ist sicher, bevor hier die Menschen rebellieren, wird es den nächsten Weltkrieg geben. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass die Drohung der USA insbesondere gegen Indien und China wegen Öleinfuhren aus dem Iran erfolgt sind?

    Die BRIC Staaten arbeiten offiziell daran, den Doller als Weltwährung zu ersetzen. Libyen wollte das auch. ;-)

  2. Das was sie schreiben geht in Richtung Forschung. Natürlich nichts schlechtes. Ich habe damit ein Problem, dass wir ständig wachsen müssen, mehr konsumieren müssen, noch mehr Schrott kaufen, damit das System nicht absäuft. Wo wollen wir hin wachsen. Sollen Menschen irgendwann 5 Tonnen wiegen, 20 Handys, 10 Autos besitzen usw.
    Zum Beispiel heute quer durch alle Nachrichten. Energie soll schon wieder drastisch steigen. Da sag ich nur, in was für einem erbärmlichen Systen leben wir im 21 Jahrhundert, immer noch nicht in der Lage sind neue Energie Quellen zu erforschen/erschließen gleichzeitig Energie von Jahr zu Jahr statt teurer immer billiger machen.

  3. Konjunkturprogramme bringen rein gar nichts. Wenn man 5 Euro für 1 Euro Wachstum investieren soll für Abwrackprämie oder ähnliches werden die Probleme nur 1-2 Jahre in die Zukunft verschoben und am Ende sind die Schulden noch größer. Investitionen würden nur dann etwas bringen wenn Italien zum Beispiel Öl oder Gasfelder erschließen könnte. Alles andere ist nur raus geschmissenes Geld.

    • Hallo Otto,

      da kann ich Ihnen überhaupt nicht zustimmen. Würde die italienische Regierung zum Beispiel zwei Häuserblocks in Mailand aufkaufen und dort Elekktronic-Start-Ups beherbergen und den “Angels”, die solche Unternehmen finanzieren, Steuererleichterungen von 50% für die dort investierten Gelder, würde das sehr wohl positive Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung haben. Würden noch fünfzig weitere solche Projekte in anderen oder ähnlichen Bereichen gestartet, ebenfalls.

      Die Behauptung, Programme zum Anschieben von Konjunkturen würden niemals etwas bringen, ist falsch. Man kann natürlich auch Geld zum Fenster hinauswerfen, weil es in Wirklichkeit nur einigen “Freunden” nutzt und das dann Konjunkturprogramm nennen, aber das war natürlich nicht gemeint.

      Selbst so etwas wie die Abwrackprämie, die ja nur Dinge nach vorne zog, hat einen kleinen Einfluss gehabt.

      Im übrigen: Das Kurzarbeitergeld, das Deutschland während der Krise gezahlt hat, hat wirklich eine weit tiefere Krise verhindert.

      Also langsam mit die junge Pferde.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

kostenloser Counter