Die gefährlichste Bank der Welt

 Deutsche Bank

 Es muss schon etwas dran sein, wenn die japanische Finanzaufsicht eine Bank zur „gefährlichsten Bank der Welt“ kürt. Gemeint war die Deutsche Bank. Und gemeint war, sie habe das höchste Potential, beim nächsten Mal mit Summen in den Keller zu gehen, die nicht mehr bezahlbar sind. Da kommt es gelegen: Die deutsche Bank hat ihre Bilanz (Geschäftsbericht) zum Jahre 2011 veröffentlicht.

Da muss ja nun einiges drinstehen, denn die Vorschriften für die Rechnungslegung sind noch nicht völlig aufgeweicht worden. Und da steht es:

Das „harte“ Kernkapital der Bank, das ist also das, was sie auf die Waage legen kann, wenn da mal riesige Ausfälle kommen sollten,  beträgt 53,4 Mrd. Euro.

Die Bilanzsumme allerdings, das ist also das, was sie so bewegt hat an Geldern in diesem Jahr, sind bereits 2164 Mrd. Euro, das ist mehr als das 40fache!

Doch gemach, das ist noch nicht das, was man dort „grosse Räder drehen“ nennt.

Das kommt jetzt erst: Die Zahl der Derivate vom Typ OTC im Besitz der Deutschen Bank (das sind jene gefährlichen Zocker-Derivate, wegen denen so vielen Banken „gerettet“ werden mussten), die also als Ursache von Zahlungsausfällen in Frage kommen, beträgt 57 948 Mrd. Euro.

Also das sind fast 58 Billionen Euro, in den USA heisst das „Trillions“.

Diese Zahl muss man mal in Relation stellen, denn sie ist unvorstellbar. Das gesamte weltweite Brutto-Inlands-Produkt, also von allen Ländern zusammen, beträgt etwas über  70 Billionen Dollar. Die Gesamthöhe aller OTC-Derivate wird mit etwa 707 Billionen Euro veranschlagt.

Das heisst also, mit diesen Derivaten, die sich ja theoretisch auf irgendwelche realen Werte beziehen sollten, wird fast das 10fache der gesamten Welt-Wirtschaftsleistung auf den Roulette-Tisch gelegt. Logisch, der wirkliche Wert könnte natürlich nur bei einem Zehntel liegen, wenn die gesamte Weltwirtschaftsleistung in Derivate geflossen wäre. Das ist logischerweise nicht realistisch, selbst 10% wären schon einen hohe Schätzung. Mit anderen Worten, alle diese Derivate zusammen haben maximal einen wirklich realisierbaren Wert von 7 Billionen Euro (selbstverständlich sind nicht alle diese Derivate Zahlungsausfälle, es gibt da auch satte Profit-Dinger dabei).

Mit anderen Worten: Von den 58 Billionen, welche die deutsche Bank in Derivaten hat, könnte sie im günstigsten Fall (wenn also alle wirklichen Werte bei ihr liegen und alle Luschen bei den anderen) 7 Billionen Euro als wahren Wert erwarten.

Realistischer ist die Schätzung, dass wohl bestenfalls 1 Billion realisierbar sein wird.

Mit anderen Worten: Wenn das platzt, wird eine zu finanzierende Bankenrettung der Deutschen Bank von grössenordnungsmässig 57 Billionen Euro anstehen. Um das in eine Relation zu bringen: Das deutsche BIP liegt je nach Zählweise um die 3 Billionen Euro. Das ist also in der Grössenordnung von 5 % davon.

Selbst die wahnwitzigsten Rettungsschirme könnten da nicht mehr helfen, nicht einmal für 10% davon.

Verstehen Sie jetzt, warum die Japaner den Preis der gefährlichsten Bank der Welt an die Deutsche Bank vergeben haben?

 In einem Artikel zu diesem Thema, hier ,hat der hochinteressante Blog „rottmeyer.de“ an die Aussage von Frau Merkel vom Jahr 2009 erinnert:

„Keine Bank darf so groß sein, dass sie wieder Staaten erpressen darf. Das ist für mich der wichtigste Punkt.“

Tja, Frau Merkels „wichtigster Punkt“ hat sich in Luft aufgelöst. Aber das sind wir ja schon gewohnt. Alle drei Tage kommt eine andere Aussage aus ihrem Mund.

Wie sagte schon ihr grosses Vorbild, der damalige Bundeskanzler Adenauer: „Was kümmert mich mein saudummes Geschwätz von gestern?“

Der Präsident der deutschen Bundesbank erinnerte am 28. März2012 in diesem Zusammenhang an den Turmbau zu Babel: „Genauso wie der Turm von Babel wird auch die Mauer aus Geld niemals den Himmel erreichen. Wenn wir diese immer höher und höher machen, werden wir hingegen immer neue Probleme bekommen – finanzielle wie politische.“

Wenn das doch nur ein Aprilscherz wäre und nicht die Realität!

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· Gelesen: 23919 · Heute: 3 · Letztmalig: 30. Mai 2016

17 Gedanken zu “Die gefährlichste Bank der Welt

    • O.K. kann mal vorkommen, dass man Euro und Dollar durcheinanderbringt. Faktisch macht das für die Aussage des Artikels überhaupt keinen Unterschied, denn wir reden hier über das Zehnfache.

  1. Vielleicht sollte man den Lesern zunächst erläutern was Derivate sind. Also Derivate sind ein ERsatz für ein reales Produkt, die zeichnen ein reales Produkt nach, haben selbst aber keinen realen Hintergrund ausser der Bonität dessen der sie ausgibt. Ist der Pleite ist alles weg, weil es ja keine reale Ware gibt. Genau genommen sind weltweit (westlich) alle Banken pleite, somit sind alle (Banken)Derivate nahezu wertlos.
    An dem Tag, an dem Staaten aufhören Banken zu stützen und mit faulen Bad Banks krimminelle Schlupflöcher zu bieten, stehen alle Derivate (Lottoscheine) auf null.

  2. “Von den 58 Billionen, welche die deutsche Bank in Derivaten hat,”

    Sie haben das Thema nicht kapiert, sorry. Erst einmal bitte einlesen. Ferner das sog. Netting mal herausarbeiten.

    • Schade, dass Sie sich nicht die Mühe machen, mir Unwissendem zu erklären, warum die deutsche Bank in keiner Weise gefährdet ist

  3. Hallo Herr Weiss,
    interessanter Artikel, allerdings meiner Meinung nach etwas überzogen.
    Wenn Sie schon eine einzelne Art von Finanzprodukten dafür verantwortlich machen wollen, dass so viele Banken “gerettet” werden mussten, dann waren das wohl eher CDOs, als OTC Derivate.
    Außerdem verstehe ich ehrlich gesagt Ihre Rechnung mit dem Welt-GDP nicht. Korrigieren Sie mich, falls ich einen Denkfehler habe, aber bei den 707 Billion Gesamtgröße des Derivatemarktes handelt es sich um Nominalwerte und ein Großteil wird nie “geliefert” (z.B. Future), bzw. “ausgeführt” (z.B. Options), da Future-Kontrakte glatt gestellt werden, bzw. Options verfallen. Ich habe natürlich keine genauen Zahlen, aber anzunehmen diese Summe würde irgendwann fällig werden, halte ich für falsch.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Alexander Bechtel

    • Nein, Herr Bechtel, der Artikel ist nicht überzogen.

      Er behauptet ja nicht, all diese Over-The-Counter Derivate würden mit ihrem Nennwert als Schulden fällig werden.

      Bezogen auf die Deutsche Bank habe ich aber von nur etwa einer Billion gesprochen, die von der Bank in positive Werte umgesetzt werden kann. Wieviel dann von den verbliebenen 57 Billionen wirklich als Schulden fällig wird, kann man nicht abschätzen, aber weniger als 10% wird es wohl kaum sein.

      Und 5,7 Billionen (abzüglich der 1 Billion positiver Werte also noch 4,7 Billionen) kann weder die Deutsche Bank aufbringen noch der deutsche Staat.

      • Zuerst möchte ich sagen, dass ich im Grunde mit Ihnen dahingehend übereinstimme, dass der OTC Derivate-Markt strenger reguliert werden muss. Deswegen wird das Central Clearing wohl auch für alle Marktteilnehmer Pflicht werden, was mehr Transparenz und Sicherheit schafft.
        Ich kenne die Derivate-Bilanz der Deutschen Bank nicht, weiß also auch nicht, wie die Positionen genau aussehen, aber soviel ich weiß, nutzt die Deutsche Bank auch bei OTC-Derivaten Clearing Instanzen, sofern möglich. Dadurch ist das Kontrahenten-Risiko doch bereits minimiert und das Problem, dass nur “1 Billion realisierbar sein wird” besteht in dieser Form nicht.
        Ihre Zahlen kommen mir ehtlich gesagt willkürlich vor (10% von 57 Billionen? Auf was stützen Sie diese Berechnung? Gefühl?).

        • Hallo Herr Bechtel,

          na so ganz mit der Bevorzugung von “Clearing Instanzen” hat es die Deutsche Bank wohl doch nicht, wie Sie meinen. Wer over-the-counter kauft, also nicht an Börsen, der will ja gerade Clearing-Instanzen umgehen damit. Wenn sich jemand für 58 Billionen OTC-Derivate zugelegt hat, so deshalb, weil er meinte, das sei die einzige Möglichkeit, um auf 25% Reingewinn bezogen auf Kapital zu kommen, was in einer realen Wirtschaft nicht möglich ist – von Ausnahmefällen abgesehen.

          Dass man damit ungeheure Risiken einging, war einem wohl bewusst, aber was wollte man machen – es mussten shcliesslich 25% sein, mindestens.

          Die Vorstellung, dass eventuell weniger als 10% dieser Derivate im Giftschrank der Deutschen Bank NICHT haushohe Verluste bescheren, ist völlig unrealistisch, dazu braucht man kein Gefühl, das ist jedem bekannt. Sehen Sie sich nur einmal die Liste von über hundert Banken in den USA an, die pleite gingen – und hauptsächlich an solchen Derivaten.

          Wollen Sie das hundert Mal auf individuelle Fehler zurückführen? Nein, das ist das System der Derivate und 10% ist noch sehr tief geschätzt. Natürlich ist es eine Schätzung.

  4. Das ist
    a) keine Bank (eher Kasino)
    b) nichts “deutsches” mehr. (City of London)
    Aber sie regieren Deutschland, bzw. das Merkel.
    Daher werden sie erst am Ende mit allen anderen untergehen. Geld macht nicht glücklich!

  5. .. und dem Kleinaktionär, der um seine sauer ersparten Aktienpositionen bangt und sie in “Direct Registration” in Sicherheit bringen will vor diesem Wahnsinn, legt die DB Steine in den Weg und mauert!!Besser man hat hat mit diesen Zockern
    nichts zu tun. Ich rate jedem ab, mit dieser Bank Geschäfte zu machen. Eine kleine lokale VB hat noch Gesichter und die Angestellten leben im Ort.
    Der Tag kommt an dem der deutsche Michel dise Blutsauger zum Teufel jagt.

  6. Leider ist dieser Artikel quatsch. OTC=Over the counter und ist kein spezieller Derivatetyp, sondern sagt nur aus, dass die Kontrakte direkt zwischen 2 Vertragsparteien durchgeführt wurden. Außerdem gibt es zu jeder Derivatposition eine Gegenposition, sodass das Risiko nicht mir dem Nominalwert der Derivate gleichgesetzt werden kann. Gefahr besteht freilich dennoch.

    • Hmmm, Chris.
      Sie haben mit nichts bewiesen, dass der Artikel Quatsch sei.
      Ich habe die OTC-Derivate nicht eine besondere Art von derivaten genannt, sondern gesagt, das sind jene, die besonders gefährlich sind.

      Das ergibt sich eben aus der Tatsache, dass sie nicht an einer Börse gehandelt, sondern direkt vom Ausgebenden verkauft wurden. Eine eventuelle Börsenaufsicht kann also nicht das Schlimmste verhindern.

      Ich habe auch nicht behauptet, alle diese Derivate müssten immer einen Verlust im vollen Nennwert ergeben, sondern ausdrücklich gesagt, nur ein Teil dieser Summen werden fällig werden. Ich habe sogar eine Schätzung hinzugefügt, wie gross dieser Teil wohl sei.

      Die Grösse der Gefahr aber bleibt bestehen.

      War also nichts mit Quatsch.

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