Was lernen wir aus dem Beispiel Argentinien?

 Merkels Spar-Wahn führt nur immer tiefer in die Krise!

Argentinien wird uns in der aktuellen Debatte um die Massnahmen der Euro-Regierung Merkel/Schäuble/Sarkosy öfters als abschreckendes Beispiel dargestellt. Also wie ist das nun eigentlich mit Argentinien?

 

Es war das Jahr 2001 kurz vor Weihnachten (Welch kaum glaubhafter Zufall! Das Fest der Liebe!). Der argentinische Peso und die argentinischen Staatsanleihen kamen an einem einzigen Tag auf Null und damit war Argentinien Pleite.

Einige Momente lang versuchten die verantwortlichen Politiker noch mit Fernsehansparachen das Volk zu beruhigen, doch noch während dieser Ansprachen umstellten die Massen bereits das Gebäude des Senders. Die Verantwortlichen waren aber schon geflohen und hatten nur eine Aufzeichnung hinterlassen. Als die Volksmassen auf der Strasse am Regierungssitz  („Casa rosada“) ankamen, waren die ach wie so mächtigen Politiker bereits ausgeflogen (im wahrsten Sinne des Wortes).

Man hätte rechtzeitig die Zugangsstrassen zum Flughafen absperren müssen, aber die Menschenmassen hatten gedacht, der fliehende Präsident und sein Finanzminister würden sich noch die Mühe einer Erklärung machen. Weit gefehlt! Das Chaos war vollständig, alle wesentlichen Regierungsmitglieder waren geflohen und die Argentinier waren plötzlich allein.

Was war geschehen? Schon Jahre zuvor hatte die ach wie so weise Regierung den Argentinischen Peso an den Dollar gebunden: Ein Peso war ein Dollar!

Das schien im ersten Moment sogar besonders intelligent zu sein: Die hohe argentinische Import-Rechnung wurde beträchtlich verringert, denn nun war der Peso ja weit mehr wert und konnte viel mehr im Ausland kaufen als vorher.

Es war so ähnlich, als Griechenland dem Euro beitrat. Es schien nur Vorteile für Griechenland zu geben (Hier soll Griechenland für die ganze Südperipherie Europas einschliesslich Irland stehen).

Statt einer ständig von Abwertung bedrohten Drachme hatte man nun plötzlich den Euro, der von so standfesten Ländern wie Deutschland garantiert wurde. Die griechischen Importe – ständig ein Punkt der Besorgnis – waren mit einer starken Währung garantiert.

Ganz ähnlich war die Vermutung damals in Argentinien: Der Dollar der Supermacht USA würde alle Schwächen des Peso auffangen. Das ging sogar eine Zeit lang gut – so wie auch der Euro in Griechenland und Co.

Nur hätte jeder Erstsemester in Ökonomie schon erklären könne, warum das nicht dauerhaft gut gehen kann. Extreme Ungleichgewichte in einer einzigen Währung sind Zenrtrifugalkräfte. Irgendwann wird etwas davonfliegen.

Auch hatte man nicht bedacht, im Fall Argentinien und in Fall Griechenland: Exporte waren praktisch nicht mehr möglich mit einer so hoch dotierten Währung. Aber das war sowieso nicht viel gewesen, so dachte man, das sei nicht wichtig.

Dadurch kam aber kein Geld herein. Natürlich waren die Steuern für das Volk in beiden Fällen hoch, aber man musste eben doch einen Spielraum lassen, denn man wollte ja auch wiedergewählt werden.

Mit der Zeit stieg in beiden Fällen dann die Staatsverschuldung an und dabei war der grösste Teil der Verschuldung mit dem Ausland. So kamen dann immer neue Termine, an denen ein Teil der Auslandsschuld fällig wurde und zum Bezahlen neue Schulden aufgenommen werden mussten. Von Mal zu Mal stiegen die Zinsen, die man anbieten musste, um die Staatspapiere noch loszuwerden, bis dann eines Tages das alles zusammenbricht: Das „Rolieren“ der Staatsschulden klappt nicht mehr, es finden sich keine „Dummen“ mehr, welche diese Staatspapiere noch kaufen und der Staat ist pleite.

In Argentinien verursachte dies einen Volksaufstand („Argentinazzo“), der alle vorherigen Strukturen wegfegte. Kirchner wurde als neuer Präsident installiert und man begann alles von Grund auf neu. Von den Auslandsschulden wurden nur etwa 20% bezahlt, den Rest mussten die Gläubiger abschreiben.

Argentinien war ohne Schulden und konnte nun alles anders machen. Der Peso verlor gegenüber vorher einen grossen Teil seines Wertes und Importgüter wurden unglaublich teuer, aber Argentinien kann sich auch alleine ernähren und hat interessante Exportgüter, wie Fleisch und Weine, die man nun zu günstigen Preisen auf den internationalen Märkten anbieten konnte, ebenso wie den Tourismus. Argentinien wurde zu einem der billigsten und interessantesten Tourismus-Länder.

Langsam arbeitete sich Argentinien aus dem Loch und weil Kirchner und später seine Frau als seine Nachfolgerin nicht mit dem Thatcherismus kokettierten, sondern Steuern auch von den Reichen forderten, kamen auch die Staatsfinanzen schnell ins Gleichgewicht.

Man muss nur aufhören, den Regeln von Thatcher/Merkel/Schäuble/Sarkosy zu folgen und plötzlich lösen sich die Probleme von alleine. Man kann das natürlich nicht mit einem „schlanken“ Staat, der die meisten Staatsbediensteten in die Arbeitslosigkeit geschickt hat, sondern muss den Staatsbediensteten stattdessen ein Gehalt zahlen, das ein würdiges Leben ermöglicht.

Griechenland dagegen lässt man nicht in eine ehrenvolle Pleite gehen, aus der sich das Land dann wieder aufrappeln könnte, sondern verurteilt das Land zu einem jahrzehntelangen Notstand, der das gesamte Volk auf Dauer in die Armut stösst und nur die Banken vor Freude aufheulen lässt.

Wie ging es nun mit Argentinien weiter? Bis zum Ende des darauffolgenden Jahres , also 2002, ging es noch abwärts und die Opfer, die der Argentinier bringen musste, waren gross. Doch bereits ab Anfang 2003 ging es wieder aufwärts: Das Brutto-Inlandsprodukt (BIP) begann zu steigen und steigt seitdem ohne Unterlass, was sich auch in einem langsam steigenden Wohlstand des Argentiniers niederschlug. Die Arbeitslosigkeit in Argentinien liegt heute bei unter 7%, das ist für ein Land der „Dritten Welt“ extrem gut.

In diesem Artikel können Sie eine Graphik sehen, die den Anstieg des BIP in Argentinien seitdem mit dem Brasiliens vergleicht, das ja als Boom-Land gilt.

Der Anstieg Argentiniens ist klar schneller als der Brasiliens! Natürliche ist die absolute Grösse unterschiedlich, aber die Tendenz ist besser.

Ein Staatsbankrott, so sehr er im Moment auch schmerzt, muss also nicht unbedingt ein Desasaster für ein Land sein, es kann auch der Startschuss für einen neuen Aufstieg zu einem (auch finanziell) gut funktionierendem Land sein.

Griechenland lässt man diesen Weg aber ums Verrecken nicht gehen. Warum? Weil die Banken keinen einzigen Cent der von ihnen in Griechenland-Anleihen investierten Gelder verlieren wollen, obwohl die in Wirklichkeit längst abgeschrieben sin!

Das ganze Getue um Griechenland hat ausschliesslich mit der Bankenrettung zu tun und nichts mit Griechenland! Die Griechen lässt man für die Zockereien der Banken bluten!

So kommt der oben schon verlinkte Artikel denn auch zu einem klaren Schluss:

50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit sind ein inakzeptabler Skandal, der alles Positive, das es in Europa natürlich auch gibt, klar in den Schatten stellt!

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