Desasterzone Spanien

Wer soll die Verluste tragen?

Hier werde ich ausnahmsweise einmal einen Artikel eines anderen Blogs in seinen wesentlichen Inhalten wiedergeben – und natürlich anschliessend meinen Kommentar dazu abgeben. Der Blog „querschuesse.de“ ist so aufschlussreich, obwohl er sich im wesentlichen auf die Wiedergabe statistischer Daten der jeweils interessanten Staaten und Gesellschaften beschränkt und nur ausnahmsweise eine eigene Meinung hinzufügt, ist er eine meiner wichtigsten Quellen. Man kann ohne weiteres sagen, der Blog „querschüsse.de“ hat sich um die an wirtschaftlichen Daten interessierte deutschsprachige Gemeinde nützlich gemacht!

In diesem Fall geht es um die Einschätzung der Schwere des spanischen Problems. Frau Merkel zum Beispiel, die Handpuppe des Herrn Schäuble, behauptet, Spanien brauche sich nur unter den europäischen Rettungsschirm zu begeben (was gleichzeitig umfangreiche Verpflichtungen zu „Austerity“-Massnahmen beinhaltet) und das Problem sei gelöst.

 

Demgegenüber zeigt „Querschuss“, hier , zunächst einmal die Grundlage der Schärfe des spanischen Problems auf, von der weder Schäuble noch Merkel offensichtlich eine Ahnung haben. Spanien sind nämlich zwei seiner wesentlichen Geschäftsmodelle abhanden gekommen.

Das erste war die Bauindustrie, die Spanien zu einem Boom-Staat gemacht hatte. Die zweite ist die Industrie. Mit dem vollständigen Einbruch der Blase des Baugewerbes und des Immobilienmarktes ging gleichzeitig ein schwerer Einbruch der industriellen Tätigkeit einher, die eben in Spanien nicht zuletzt vom Bau-Boom gespeist war.

Der ‚output’ des Baugewerbes in Spanien schrumpfte bis März 2012 nicht nur um -58,55% zum Hoch im Juli 2006, er liegt sogar unter dem Niveau von 1988!

Die Baugenehmigungen sanken vom Hoch im Oktober 2006 mit 73’832 um satte -91,9% auf 6’224 Baugenehmigungen für Wohnimmobilien im März 2012!

Das hatte intensive Auswirkungen, nicht zuletzt auf die Zementindustrie: Im April 2012 schmierte die Zementproktion auf 1,380 Millionen Tonnen ab, noch im März 2007 waren es 5,123 Millionen Tonnen, ein brachialer Einbruch von -73,01%! Noch im Jahr 2007 war Spanien siebtgrößter Zementhersteller der Welt, heute dürfte Spanien an ca. 21. bis 23. Stelle liegen. Im April 2012 bewegt sich der Output der Zementindustrie auf einem Niveau wie zuletzt im Jahr 1971!

Aber auch wenn man den gesamten „output“ der Industrie Spaniens ansieht, erkennt man die Tiefe des Einbruchs: Die Entwicklung des saisonbereinigten Outputs der breit gefassten spanischen Industrie (Bergbau, Energieversorgung und Verarbeitendes Gewerbe), ohne Baugewerbe … führt vom Allzeithoch im Mai 2007 bis April 2012 zu einem Einbruch von satten -28,53%!

Aber auch die wichtigen Ausrüstungsinvestitionen der Industrie in Spanien sind um -26,95% zum Hoch in 4. Quartal 2007 eingebrochen.

Diese Ansammlung negativer Daten nennt „querschuss“ bereits ein „Armageddon“, aber es wäre nichts, was eine ansonsten gesunde Volkswirtschaft nicht verkraften und mit einer Anzahl von Jahren harter Arbeit  vergessen machen könnte.

Nur – und da kommen wir nun zum eigentlichen Thema – ist dies verbunden mit einer Nettoauslandsverschuldung aller Bereiche der spanischen Volkswirtschaft von nahezu 1000 Mrd. Euro!

Ja, ja, Sie haben schon richtig gelesen, das sind 1 Billion Euro! Das ist fast die gleiche Höhe wie das gesamte Brutto-Inlands-Produkt (BIP) Spaniens im Jahr 2011!

Ein so immense Auslandsverschuldung (etwa 100% vom BIP) weisen übrigens auch Griechenland, Portugal und Irland auf, was den Umgang mit der Krise in diesen Ländern deutlich erschwert, aber die absolute Zahl ist bei ihnen doch erheblich kleiner als bei Spanien, das ja die viertgrösste Wirtschaft von Euroland repräsentiert.

Da muss man doch fragen, was haben die Wächter des Euro in der Zentralbank eigentlich getan den ganzen Tag, als Spanien diese massive Auslandsverschuldung aufbaute? Daumen gedreht?

Doch wir sind noch nicht am Ende. Das Ende kommt jetzt: Man muss sich nämlich ansehen, wie die spanischen Banken in den letzten Jahren ihre Bilanzsummen aufgeplustert haben. Das kommt schon gefährlich nahe an massive Verbrechen: Während im Jahr 1991 alle spanischen Banken noch zusammen eine Bilanzsumme von 491 Mrd. Euro aufwiesen, war diese Zahl bis zum Inkrafttreten des Euro im Jahr 2002 schon auf etwa 1400 Mrd Euro angestiegen, bereits besorgniserregend, aber nichts, was nicht mit wohl bekannten Mitteln im Zaum hätte gehalten werden können.

Doch dann, mit dem Euro in Funktion, verlor man jegliches Mass. Man blies die Bilanzsumme bis heute auf unglaubliche 4,2 Billionen Euro auf, das ist eine Verdreifachung in 10 Jahren. Natürlich kann man jedem Bankinstitut nur wünschen, eine solche Erfolgsgeschichte hinlegen zu können. Nur: Das war natürlich in Wirklichkeit nichts weiter als das Reiten auf den Schaumwellen der Immobilienblase, die für jeden Fachmann leicht zu erkennen war.

Dass die Blase zerplatzen würde, wussten bereits Laien. Wie kann es sein, dass diese Banken damit durchkamen? Gibt es keine Bankenaufsicht in Spanien?

Und wie kommt es, dass die euopäische Zentralbank in so einem zentralen Punkt nicht eingriff? Auch dort hätte schon ein Lehrling im dritten Lehrjahr den spanische Bauboom als Blase identifizieren können.

Wenn der Präsident und die speziell zuständigen Sachbearbeiter dort nicht reagiert haben, so deshalb, weil sie „von oben“ zurückgepfiffen wurden.

Fragt sich nur, wer war da „oben“.

Ganz offenbar hielt sich die EZB zurück, weil man die fetten Gewinne, die da einige Investoren machten, nicht stören wollte. Nun aber, da die Blase geplatzt ist, ist man wiederum nur besorgt um jene Investoren. Was wäre daran so schlecht, wenn sie nun auch die Verluste tragen müssten?

Nun, wir leben im kapitalistischen System. Das ist nicht, wie man uns immer wieder weis machen will, ein gerechtes, wo die hohe Gewinne machen, die richtig investieren und die hohe Verluste, die aufs falsche Pferd setzen. Es ist das System, wo man die Zocker zuerst mit hohen Gewinnen aus einer Immobilienblase versorgt und dann anschliessend, wenn die Blase geplatzt ist, die europäischen Steuerzahler für den Ausgleich der Verluste heranzieht.

Diese System muss weg! Die Umverteilung der europäischen Verluste auf die Steuerzahler muss gestoppt werden! Jene, die vorher unsägliche Profite eingestrichen haben, sollen die Verluste tragen!

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Ein Gedanke zu “Desasterzone Spanien

  1. Ich kann leider weit und breit niemanden finden, der sich als Fachmann titulieren könnte.
    Das sind alles falsche Fuffziger. Gekauft, um das Volk noch mehr auszuquetschen.
    Aufruf an ALLE! HEUTE 15 UHR VORM RICHSTAG DEMO GEGEN ESM!!!
    HEBT EUREN HINTERN HOCH UND ZEIGT ENDLICH FLAGGE!

    LG Jochen

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