Der Kapitalismus muss weg
Kaum einer der Vorgänge in letzter Zeit in unserem “Schland” ist so aussagekräftig für die Zustände im Kapitalismus wie die Schlecker-„Pleite“. Schlecker Vater baute eine riesige Drogeriekette auf, sogar mit Filialen im Ausland, bemerkte aber dann, er hatte aufs falsche Pferd gesetzt. Die grosse Zahl vieler kleiner Filialen trieb die Kosten, während die Konkurrenz grössere und schmucke Filialen in kleinerer Anzahl aufwies, die weniger kosteten. Nur mit Niedrigpreisen liess sich der Absatz noch weiter steigern, doch dann kam er in die roten Zahlen.
Da der Besitzer im Kapitalismus der einzige ist, der bestimmt und die „Sozialverpflichtung des Eigentums“ nichts als eine Worthülse ist, sagte er sich, jetzt sahne ich ab und lasse den Rest Pleite gehen. Er zog alle möglichen Mittel aus dem Konzern ab und liess die Gelder auf die Konten seiner Kinder fliessen. Die Schlecker-Filialen verwahrlosten immer mehr, nicht wurde mehr gemacht und die „Schlecker-Frauen“ rochen schon, worauf es hinauslaufen wird.
Mehrere Jahre mit Verlusten, dann war Schlecker sturmreif geschossen. Die Verhandlungen zur Übernahme waren nichts als ein Rauchvorhang, um die tatsächlichen Begebenheiten zu verstecken. Natürlich fand sich kein Käufer (er hätte ja Milliarden investieren müssen) und in drei Entlassungsaktionen wurden etwa 30 000 Mitarbeiter von Schlecker auf die Strasse gesetzt, einfach so.
Schlecker und seine Kinder waten derweil im Geld.
Und das ist natürlich nur ein Fall von vielen. Man erinnere sich nur an die Schliecker-Werft. Schliecker hatte es geschafft, fast alles Geld aus der Werft abzuziehen und liess auf den Namen seiner Frau währenddessen das grösste Seilbahn-Imperium der Alpen aufbauen. Dann erklärte er den Werft-Bankrott und übersiedelte in die Alpen.
Es gibt noch Tausende solcher Fälle, nicht alle so spektakulär, aber für die betroffenen Mitarbeiter genauso desaströs.
Der Kapitalismus produziert unausweichlich am laufenden Band Bankrotteurs-Ruinen. Gehen sie nur einmal in eines der traditionellen Industriegebiete und zählen sie die Anzahl der Ruinen dort.
Das ist eben der Kern des Kapitalismus: Der Kapitalist ist Diktator und hat alle Fäden in der Hand, die Belegschaft, die gerade eben noch als „Nehmer“, als „Arbeitnehmer“ bezeichnet wurden, steht vor dem Nichts. In Zeiten von Hartz IV ist das der Abstieg ins Ausgestossen-Sein. Man wird zum beliebig schikanierbaren Sklaven.
Und Frau unter aller Leyen schickt den „Sclecker-Frauen“ noch einen Fusstritt hinterher: Sie könnten sich ja zu Erzieherinnen ausbilden lassen, da gäbe es Bedarf. Der Zynismus kennt keine Grenzen mehr.
Im Fall Schlecker hat das Ganze noch eine andere Dimension, die sich jetzt schmerzhaft bemerkbar macht: In vielen kleineren Orten in Deutschland war die Drogerie Schlecker, die dann meist mehr einem Kolonialwarenladen glich, der einzig verbliebene Laden, der soziale Mittelpunkt der Gemeinde.
Ohne diese Schlecker-Läden in vielen kleinen Ortschaften wird es nun in Deutschland noch kälter, obwohl die Frühlingstemperaturen steigen.
Wenn eine Bank pleite zu gehen droht, sind die Politiker sofort zur Stelle, für die Schlecker-Beschäftigten haben sie nur ein Achselzucken übrig: Ja, so ist das eben im Kapitalismus!