War alles nicht wahr!

 „Ääätsch, angeschmiert!“

Da lässt „sueddeutsche.de“ einen gewissen Hagelüken einen Artikel zur Finanzkrise schreiben und lässt ihn sogar eine ganze Zeit ganz oben auf der Site. Nur, da wird alles, was „sueddeutsche.de“ vorher in so vielen Artikeln und mit so viel Verve vertreten hat, negiert und das Gegenteil gesagt. Man hatte uns die ganze Zeit versucht, den Kurs der Bundeskanzlerin und der Regierung bezüglich des Euro als „alternativlos“ darzustellen und uns weiszumachen, die Banken seien „systemwichtig“ und müssten alle gerettet werden. Wir wussten im Grunde, dass die Banken weiter zockten und daher diese Argumente nicht stechen, aber Denkler und Konsorten versuchten uns auf den Regierungskurs festzulegen. Nun plötzlich ein Stück Wahrheit in „sueddeutsche.de“. Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

 

Hier eine kleine Auswahl von Zitaten aus dem Artikel , hier , von Hagelüken, unter dem Titel (hört, hört!) „Monster in unserer Mitte“:

„Noch immer lässt sich die Politik von hemmungslos spekulierenden Banken erpressen, die den Wohlstand und die Stabilität des Westens bedrohen. Um sich aus der Umklammerung der Geldhäuser zu befreien, müssen die Regierungen endlich aufs Ganze gehen. (…)

Derselbe Mann [Barclays-Chef Diamond] räumt nun ein, dass sein Institut, die Barclays Bank, jahrelang einen Zinssatz manipulierte. Nicht irgendeinen Zins, sondern den sogenannten Libor-Satz. Der ist für Geschäfte maßgeblich, die dem 100-Fachen der deutschen Wirtschaftsleistung eines Jahres entsprechen. Millionen Menschen sind von der Manipulation betroffen.

Inzwischen gibt es wohl wenige Schurkereien, die die Bürger den Geldmanagern nicht zutrauen würden. Mit den Erwartungen verhält es sich wie bei der nach oben offenen Erdbeben-Skala. Das überrascht kaum, produziert doch die Branche auch im Jahr fünf der Finanzkrise reichlich Skandale. Während viele Geldmanager längst wieder exorbitant verdienen, verursachen sie oft auch exorbitante Verluste. Das gilt für spanische Banken mit faulen Immobilienkrediten ebenso wie für das lange gefeierte US-Haus JP Morgan, das gerade viele Milliarden Dollar verzockte. (…)

In der einen oder anderen Form müssen immer wieder Steuerzahler für diese Pannen bezahlen. Wobei die Steuerzahler nicht nur zahlen, sondern von den Bankern auch noch verhöhnt werden. (…)

Im Jahr fünf der Finanzkrise müssen Regierungen … erkennen, dass all ihre Pläne nach Ausbruch der Krise fehlschlugen: Sie haben immer noch keinen Weg gefunden, die Geldhäuser und ihre Geschäfte zu zähmen, diese Monster in ihrer Mitte. All die Gipfelbeschlüsse und Gesetze verhindern nicht, dass die Banken weiter den Wohlstand und die Stabilität des Westens bedrohen. (…)

Die Bundesregierung lässt Schlecker und Karstadt mit Zehntausenden Mitarbeitern pleitegehen, doch sie rettet die Hypo Real Estate und spanische Banken. Ganz einfach, weil Finanzgeschäfte längst ein Vielfaches dessen ausmachen, was Drogerieketten, Kaufhäuser und alle anderen Firmen der Realwirtschaft umsetzen. Die riesigen Summen, mit denen die Banker jonglieren, funktionieren wie eine Versicherung: Keine Regierung kann ein Geldhaus pleitegehen lassen, das womöglich das ganze Geldsystem mitreißt. (…)

Die Geschäfte der fünf größten US-Institute entsprechen 60 Prozent der US-Wirtschaftsleistung, der Anteil ist doppelt so hoch wie vor einem Jahrzehnt. Diese Banken sind inzwischen erst recht “too big to fail” – zu groß, als dass man sie pleitegehen lassen dürfte. Mit dieser Feststellung ist quasi eine Einladung zu riskanten Geschäften ausgesprochen, die wiederum hohe Boni versprechen, und deren Risiken sich am Ende auf die Steuerzahler abschieben lassen. (…)

… ist eine wirkliche Reform des Finanzsystems nötig, eine, in der nicht mehr die Lobbyisten den Politikern die Feder führen. (…)

 … sollten die Regierungen die Banken zwingen, die riskanten Geschäfte mit noch mehr Kapital zu puffern, sodass die Häuser Verluste selbst ausgleichen können und nicht die Steuerzahler in Haftung nehmen müssen. (…)

 … sollten Banken, die mit Sparkonten und Firmenkrediten für die Wirtschaft wichtig sind, keine größeren riskanten Geschäfte erlaubt sein (…)

 … sollten die Regierungen Aktionäre und Gläubiger zur Kasse bitten, bevor sie mit Steuergeldern eine Bank retten. (…)

Die beim EU-Gipfel besprochene Direkthilfe aus dem Schirm könnte die Haftung von der spanischen Regierung auf Europas Steuerzahler verlagern. Ein gefährlicher Trend: Die Banken in den maroden Euroländern drücken drei Mal so hohe Schulden wie die Staaten selbst. (…)

Um sich aus der Umklammerung der Banken zu befreien, müssen die Regierungen aufs Ganze gehen: Mit einer Reform, die den Geldmanagern ihre Erpressungswaffe nimmt.“

Nur ist das, was der Autor hier verlangt, wohl etwas zu hoch gegriffen. Der Schwanz wedelt nicht mit dem Hund, sondern der Hund mit dem Schwanz. Die Grossbanken sind Teil des Finanzkapitals, auch „Monopole“ genannt, die Besitzer des Kapitalismus. Die Politiker dagegen waren und sind nie etwas anderes als die Marionetten eben dieses Finanzkapitals. Es kann also keine Kontrolle der Marionetten über die Spieler geben.

Allerdings wird so etwas immer wieder versucht vorzuspielen, aber meistens stellt sich schnell heraus, wer Spieler und wer Marionette ist.

Es kann also nicht darum gehen, von den Politikern zu verlangen, sie sollten ihre Herren kontrollieren, sondern wir müssen uns mit allem Mitteln dagegen wehren, dass unser Geld an die Banken verteilt wird. Dazu werden Kämpfe – und zwar offensive Kämpfe – wesentlicher Teile des Volkes notwendig sein.

Daher noch einmal der Aufruf: Gehen wir auf die Strasse, solange wir noch können. Die Proteste dürfen jetzt nicht mehr abbrechen!

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· Gelesen: 2329 · Heute: 3 · Letztmalig: 23. Mai 2013

5 Gedanken zu “War alles nicht wahr!

  1. Kurzsichtigkeit

    “Der Kurzsichtige ist selbstsüchtig, der Weitsichtige wird in der Regel bald einsehen, dass im Gedeihen des Ganzen der eigene Nutz am besten verankert ist.”

    Silvio Gesell (Vorwort zur 3. Auflage der NWO, 1918)

    Kurzsichtigkeit bedeutet, einer falschen Zinstheorie anzuhängen, die entweder unverdiente Knappheitsgewinne auf Kosten der Mehrarbeit anderer (Zinsen und Renditen) entschuldigt (klassischer Liberalismus) und daher gegenüber systemischer Ungerechtigkeit (Kapitalismus) blind macht, oder die Zinsen und Renditen nicht als Knappheitsgewinne versteht (klassischer Sozialismus) und daher den Privatkapitalismus mit Gewalt (Enteignung) bekämpfen will, was zwangsläufig zu Unfreiheit (Planwirtschaft) und noch größerer Ungerechtigkeit (Staatskapitalismus) führt.

    Den Kurzsichtigen fehlt die Einsicht, dass bei selbstregulativer (gewaltfreier) Beseitigung leistungsloser Kapitaleinkommen nicht nur alle Zivilisationsprobleme (und die “Finanzkrise”) ebenfalls eigendynamisch verschwinden, sondern auch ein ganz neues Zivilisationsniveau (Natürliche Wirtschaftsordnung = Marktwirtschaft ohne Kapitalismus) erreicht wird, weil verdiente Knappheitsgewinne aufgrund technologischer und kultureller Innovation nicht mehr durch unverdiente Knappheitsgewinne von Sparern, die sich für “große Investoren” halten, geschmälert werden.

    Wissenschaftlich korrekt und einander ergänzend sind allein die Erklärungen des Zinses als Urzins (S. Gesell, 1916) oder als Liquiditäts(verzichts)prämie (J. M. Keynes, 1935), die beide von einer Überlegenheit des Geldes (Dauerhaftigkeit bzw. Liquiditätsvorteil) gegenüber den Waren ausgehen. Also muss dem liquiden Geld diese Überlegenheit durch eine staatliche Liquiditätsgebühr auf alles Zentralbankgeld (Bargeld plus Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken) genommen werden, um den Geldumlauf zu verstetigen und die Währung durch eine direkte Geldmengensteuerung absolut stabil zu halten, sodass der Warenaustausch schnell, sicher und billig erfolgt, ohne dass die Geldbesitzer einen ungerechten Vorteil gegenüber den Warenproduzenten oder Arbeitern haben.

    Wie eine solche konstruktive Geldumlaufsicherung technisch zu verwirklichen ist, war zur Zeit des “Auszugs der Israeliten aus Ägypten” noch unbekannt. Also wurde die “Mutter aller Zivilisationsprobleme”, die bisher alle Hochkulturen und Weltreiche in der Geschichte der halbwegs zivilisierten Menschheit zerstörte, aus dem Begriffsvermögen des arbeitenden Volkes ausgeblendet, damit das, was wir heute “moderne Zivilisation” nennen, überhaupt entstehen konnte. Das war (und ist noch) der einzige Zweck der Religion!

    Nur ein außergewöhnliches Genie wie Silvio Gesell konnte sowohl den elementaren Fehler im “Geld, wie es (noch) ist” verstehen als auch das fehlerfreie “Geld, wie es sein soll” beschreiben, ohne die Religion verstanden zu haben:

  2. Um uns aus der Umklammerung der Banken zu befreien müssn wir uns von den Banken UND den Regierungen befreien. Wenn man korrupte und kriminelle Führungen in Wirtschaft, Finanzsystem und Regierung hat darf man diese nicht reglementieren, sondern muss sie samt und sonders hinwegfegen.

  3. Werte Leser, werte Leserin;
    Es ist nicht die Welt der Banker oder Politiker, sondern es ist eure Welt welche euch von Kommunisten, Sozialisten und Kapitalisten erklärt und vorgeschrieben wird. Demokratie muß man organisieren um gemeinsam die Zukunft “aller Mitbürger” organisieren zu können. Wer dieses nicht beherzigt und ins Bewußtsein rückt, ist bereits gestorben.

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