Jean Ziegler ist jetzt Lobbyist

Söldner der Industrie

 In einem Artikel in “sueddeutsche.de”, hier:

 http://www.sueddeutsche.de/wissen/subvention-von-biokraftstoffen-in-der-eu-moerderischer-sprit-1.1833999

spinnt Jean Ziegler das alte Märchen neu, dass so viele Menschen nichts zum Essen haben, weil angeblich alle Nahrungsmittel zu Bio-Sprit verarbeitet werden. Er weiss das besser, denn er war 8 Jahre lang UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Offenbar lässt er sich jetzt von den Öl-Konzernen bezahlen.

Unter der Überschrift “ Mörderischer Sprit” wiederholt Ziegler Wort für Wort die Propaganda der Ölkonzerne, so als ob sie nicht längst widerlegt wäre.

Der Grund, warum so viele Menschen auf der Welt hungern, ist nicht, dass es keine Nahrungsmittel gäbe, sondern, dass sie kein Geld haben, um sie zu kaufen. Es gibt in keinem einzigen Land der Welt einen Mangel an Nahrungsmitteln. Dafür sorgen schon die Grossmächte USA, Europa, Japan und zum Teil auch schon China, die der heimischen Nahrungsmittel-Industrie mit hohen Subventionen unter die Arme greifen und so einen grossen Überschuss an Nahrungsmitteln schaffen, der dazu führt, dass riesige Mengen von Nahrungsmitteln in die Märkte der Entwicklungsländer drängen und letzlich in den Abfall wandern, obwohl so viele Menschen hungern.

Der Anteil von Nahrungsmitteln, die in Bio-Sprit umgewandelt werden, ist verschwindend gering und liegt im Bereich von wenigen Prozenten. Dazu kommt, dass ein wesentlicher Teil des Bio-Sprits heute bereits aus Pflanzenteilen hergestellt wird, die nicht als Nahrungsmittel taugen.

Wahrheitswidrig behauptet Jean Ziegler: “Seit 2007 haben die Regierungen der EU und der USA die Agrarindustrie großzügig darin unterstützt, Autotanks mit Essen zu füllen – mit verbindlichen Zielen, Steuervergünstigungen und Subventionen, die sich auf Milliarden Dollar und Euro pro Jahr belaufen. Das Resultat? Hunger, Landraub und Umweltschäden haben zugenommen, Hunderttausende Menschenleben sind zerstört.”

Das ist schlicht Quatsch. Ja, Hunderttausende von Menschenleben wurden durch Hunger zerstört. Der Grund ist aber nicht die Subvention von Bio-Sprit, sondern die Subvention von Lebensmitteln. Lebensmittel aus der EU, USA und aus Japan überschwemmen die Entwicklungsländer und machen mit ihren subventionierten Niedrigpreisen die heimische Landwirtschaft kaputt.

Millionen von Menschen in diesen Ländern haben aber keine andere Möglichkeit des Lebensunterhalts als die Landwirtschaft. Doch sie können keine Agrarprodukte verkaufen, weil die Preise der subventionierten Lebensmittel unschlagbar sind. Das verurteilt sie zum Hunger inmitten des Lebensmittel-Überflusses.

Wenn jemand dies weiss, dann ist das Jean Ziegler. Wenn er nun seine Kanone genau in die Gegenrichtung dreht, so gibt es nur eine Erklärung: Er hat sich kaufen lassen, sei es von der Lebensmittel-Industrie oder den Ölkonzernen oder von beiden.

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· Gelesen: 5268 · Heute: 2 · Letztmalig: 25. September 2016

12 Gedanken zu “Jean Ziegler ist jetzt Lobbyist

  1. Der von Ihnen genannte Artikel in der SZ ist nach meinem Verständnis ein Plädoyer gegen die weitere Förderung von Agrarkraftstoffen durch die europäische Gemeinschaft. Nur darum geht es und ich sehe nicht, was daran falsch sein soll. Jean Ziegler hat sich bei anderen Gelegenheiten überaus deutlich zu den Problemen der Verteilungsgerechtigkeit, der Spekulation mit Lebensmitteln etc. geäußert.
    Wenn ich mich recht erinnere, war ihre ursprüngliche Schlagzeile: “Jean Ziegler ist jetzt Lobbyist der Rohölmafia!” Mit dieser Überschrift haben Sie ihn implizit zum Mafioso erklärt. Diffamieren bedeutet nach meinem Verständnis verleumderische Unterstellungen zu machen und genau das haben Sie getan, denn der Artikel der SZ läßt die von Ihnen gezogenen Schlüsse nicht zu.

    • Ja, Herr Teebaum,
      das ist richtig:
      Es gab vor einer Anzahl von Jahren einen Boom der Förderung von Bio-Srit, sowohl in Form des Bio-Alkohols als auch in der des Bio-Diesel. Nur wurde diese Förderung bald abgebrochen. Heute hat weder Bio-Alkohol noch Biodiesel irgendeine ins Gewicht fallende Förderung aus Geldern der Staaten zu erwarten.

      Nur hier in Brasilien gibt es noch eine ins Gewicht fallende Förderung, aber das ist im Vergleich zu den weltweiten Mengen von Benzin und Diesel bestenfalls eine Anmerkung.

      Jean Ziegler Weiss das, er ist erwiesenermassen einer der besten Kenner der Entwicklung dieser Dinge.

      Trotzdem bringt er einen mundschäumenden Hetzartikel gegen die angeblich hohe Förderung dieser Bio-Kraftstoffe, der es in sich hat.

      Für mich gibt es nur zwei Erklärungen dafür. Entweder er hat sich bestechen lassen, um auf diese Weise von den tasächlichen Problemen der Kraftstoffe abzulenken, oder er hat einen Gehirnschlag erlitten, der es ihm nicht mehr ermöglich, geradeaus zu denken.

    • Hier meine Antwort auf eine der Zuschriften:

      Ja, Herr Teebaum,

      das ist richtig:

      Es gab vor einer Anzahl von Jahren einen Boom der Förderung von Bio-Srit, sowohl in Form des Bio-Alkohols als auch in der des Bio-Diesel. Nur wurde diese Förderung bald abgebrochen. Heute hat weder Bio-Alkohol noch Biodiesel irgendeine ins Gewicht fallende Förderung aus Geldern der Staaten zu erwarten.

      Nur hier in Brasilien gibt es noch eine ins Gewicht fallende Förderung, aber das ist im Vergleich zu den weltweiten Mengen von Benzin und Diesel bestenfalls eine Anmerkung.

      Jean Ziegler Weiss das, er ist erwiesenermassen einer der besten Kenner der Entwicklung dieser Dinge.

      Trotzdem bringt er einen mundschäumenden Hetzartikel gegen die angeblich hohe Förderung dieser Bio-Kraftstoffe, der es in sich hat.

      Für mich gibt es nur zwei Erklärungen dafür. Entweder er hat sich bestechen lassen, um auf diese Weise von den tasächlichen Problemen der Kraftstoffe abzulenken, oder er hat einen Gehirnschlag erlitten, der es ihm nicht mehr ermöglich, geradeaus zu denken.

      Sie können diese Antwort gerne als Leserbrief in ihr Blog stellen.

  2. Es sind doch nicht “die Grossmächte” und “die Entwicklungsländer”, es ist der IWF und die Weltbank, Monsanto (“Food, Health, Hope”), Syngenta, DuPont, Bayer uva. und der Kampf gegen die Kleinbauern. Ausgerechnet einen Mann zu diffamieren der sein Leben lang für die gekämpft hat, die eben keine Lobby haben, empfinde ich als ausgesprochen schäbig.

    • Hallo Jochen,

      nein, ich habe Jean Ziegler nicht diffamiert.

      Ich beziehe mich auf seine Aussagen im Artikel von “sueddeutsche.de”.

      Er lässt alles wichtige in der Frage der Ernährungssicherheit zur Seite, obwohl er Spezialist darin ist und redet nur vom Bio-Sprit, der nicht einmal 5% der Spritmengen ausmacht.

      Deshalb sage ich, er hat die Seiten gewechselt.

  3. Hallo Karl

    Zunächst danke für die Freischaltung und Deine Antwort.

    Es gibt sicherlich gerechtfertigte Kritikpunkte gegenüber Ziegler. Allein die symbolhaft vielsagenden Händedrücke sind durchaus bedenkenswert, auch die Kreise, in denen er sich zuweilen bewegt, machen darauf aufmerksam, wachsamen Auges und klaren Geistes zu schauen, was er sagt/schreibt.
    Was mich wirklich enttäuscht hatte, war die Wiederholung der offiziellen Verschwörungstheorie der US-Regierung zu 911 im Buch “Der Hass auf den Westen”, aber womöglich wäre das Buch sonst nicht verlegt (Bertelsmann) worden.

    Dass er aber wegen diesem Artikel in der SZ jetzt die Seiten gewechselt haben soll, ist für mich zu weit hergeholt.

    Wieso sollte er denn?
    Wegen Geld? Er hat ca. 6 Mio Sfr. Schulden aufgrund etlicher Klagen von durch Räuberbarone eingestellter Anwaltslakaien, die ihn aufgrund seiner Äusserung auf horrenden Schadenersatz- & Genugtuungsforderungen sitzen lassen, weshalb er ja auch am Existenzminimum rumdümpeln würde, wenn das UN-Salär pfändbar wäre und er nicht im Haus seiner Frau lebte. Zudem ist er alt, er macht’s nicht mehr lange. Wieso sollte er jetzt plötzlich, nach Jahrzehnten des Gepolters gegen die Geier des neoliberalen Grössenwahns, plötzlich die Seiten wechseln und für die Öl-Lobby votieren? Das ergibt für mich keinen Sinn.

    Das Alter ist auch der Grund, weshalb es keinen Sinn machen würde allfällige Reputationsschäden aufgrund seines früheren Gepolters auszugleichen.

    Es gibt noch weitere Gründe, weshalb mir Deine These viel zu weit hergeholt ist.

    “Die USA, EU und Japan führen krieg gegen die Entwicklungsländer, indem sie auf der basis von internationalen “Freihandelsvereinbarungen” Lebensmittel in phantastischen Mengen nach dort exportieren und dort zu Preisen verkaufen, zu denen niemand auf der Welt diese auch nur herstellen kann.”

    Es gibt etliche Dokumente, die beweisen, dass er sich eben an dem ja auch enorm enerviert, und dies auch überall anprangert. Weshalb sollte er also plötzlich eine 180°-Richtungsänderung vollziehen?

    “unsinnigem gelabere über Biosprit”

    Solange Millionen von Menschen verhungern, ist es schlicht ein Verbrechen gegenüber der Menschheit, irgendwelche Lebensmittel in Autotanks zu füllen.

    Auch wenn der Prozentsatz, gemessen an der totalen Produktion, natürlich marginal ist, ist dieser marginale Prozentsatz in absoluten Zahlen dennoch eine gewaltige Menge, die wohl ins Gewicht fällt.

    Der Artikel “Nahrungsmittelverschwendung” ist nicht von mir, sondern von Fallen Angel (siehe Autor oben rechts).

    “Es wäre phantastisch, wenn die USA, die EU und Japan nur noch Landwirtschaft für Biosprit betreiben würden.”

    Das ist ein Hohn allererster Güte! Die meisten Industrieländer sind schon jetzt zu grossen Teilen von Nahrungsmittelimporten abhängig, und besitzen auch die entsprechende Kaufkraft, um sie sich – wo auch immer – zu besorgen. Wenn nun also hier keine Nahrungsmittel mehr produziert würden, wären die Märkte in den Entwicklungsländern bald leer, denn das Landgrabbing durch Agromultis würde ja dadurch nicht gestoppt. Da spielen dann auch viel zu tiefe Preise aufgrund von Subventionspolitik keine Rolle mehr.

    “Dann hätten die Entwicklungsländer endlich die Möglichkeit, Nahrungsmittel für die ganze Welt anzubauen und dafür faire Preise zu bekommen. Das Problems des Hungers auf der Welt wäre mit einem Schlag gelöst.”

    Solange in den Entwicklungsländern eine von den Kolonialisten eingesetzte elitäre, hochkorrpute und arrogante Herrschaftsschicht nur für ihre eigene Bereicherung regiert, ist und bleibt dies Utopie. Hier gilt es also – wennschon – anzusetzen. Die Frage wäre nur WIE…

    Mag natürlich sein, dass er von Seiten SZ gewisse Vorgaben erhielt, weil der Gastartikel ansonsten nicht ‘abgedruckt’ worden wäre, aber das ist Spekulation.

    Danke aber dennoch für Deinen Hinweis; ich werde ihn künftig noch etwas schärfer beobachten.

    Lieben Gruss vom Dude

    • Ich werde mich auf die wesentlichen Punkte beschränken in der Antwort, denn ich bin ziemlich beschäftigt, aber das können Sie gerne als “Leserbrief” in Ihren Blog stellen.

  4. Unter der Überschrift “ Mörderischer Sprit” wiederholt Ziegler Wort für Wort die Propaganda der Ölkonzerne, so als ob sie nicht längst widerlegt wäre.

    Würdest Du Jean Ziegler kennen, wüsstest Du, dass er garantiert keine Propaganda für die Öl-Lobby betreibt!

    Er ist sich der Fatalität der Subventionspolitik und der Lebensmittelexporte in Entwicklungsländer sehr wohl bewusst, und beschreibt dies auch in mehreren Büchern sehr deutlich!

    Mach Dich mal schlau (Timemark ab 1:15):

    http://www.youtube.com/watch?v=qBaq9rSXjKg

    Nur geht es in diesem Artikel nicht um die Subventionspolitik, sondern um die Fatalität des Biosprit-Grössenwahns, der auch bei Dudeweblog bereits Thema war: https://dudeweblog.wordpress.com/2013/09/25/nahrungsmittelverschwendung/

    Ich muss also leider davon ausgehen, dass Du entweder naiv, oder Selbst ein Propagandist (der Biosprit-Lobby) bist.

    Ps. Sollte dieser Kommentar zensiert werden, wird ein Artikel daraus, in dem ich dann allerdings noch weiter gehen werde als hier.

    • Hallo Dude,

      ja, ich kenne die Arbeiten und Artikel und Interviews von Jean Ziegler sehr gut und habe sie geschätzt. Umso mehr war ich entsetzt, dass er jetzt die Seiten gewechselt hat.
      Wenn ich hier. von “Seiten” spreche, so ist das wörtlich gemeint, denn es ist Krieg.
      Die USA, EU und Japan führen krieg gegen die Entwicklungsländer, indem sie auf der basis von internationalen “Freihandelsvereinbarungen” Lebensmittel in phantastischen Mengen nach dort exportieren und dort zu Preisen verkaufen, zu denen niemand auf der Welt diese auch nur herstellen kann.
      Daurch ist es ihnen gelungen, fast vollständig die Landwirtschaft dieser Lander zu eliminieren.

      Man kann nur auf einer der Seiten stehen. Entweder man klagt die Grossmächte an und verteidigt die Entwicklungsländer oder man steht, wie jetzt Ziegler, auf der Seite der Grossmächte und versucht, die Menschen mit unsinnigem gelabere über Biosprit zu verunsichern.

      Nein, Biosprit hat noch nie und nirgens zu Nahrungsmittelverknappung geführt. Das wäre auch gar nicht möglich, denn Biosprit macht hnur etwa 0,5 bis 2 % (verschiedene Quellen) der Nahrungsmittelherstellung weltweit aus, ist also in Wirklichkeit völlig ohne Bedeutung.

      Die einzige “Fatalität” ist der krieg der Grossmächte gegen die Entwicklungsländer und da liegt auch der Grössenwahn.

      Die Biosprit-Sache hat nichts mit dem Hunger auf der Welt zu tun. Wer das verneint, wie nun Ziegler, ist ein Demagoge. Ziegler hat sich auf die Seite der Täter geschlagen und steht nicht mehr auf der Seite der Opfer.

      Auch Dein Artikel “Nahrungsmittelverschwendung” ist nicht kongruent. Es wäre phantastisch, wenn die USA, die EU und Japan nur noch Landwirtschaft für Biosprit betreiben würden. Dann hätten die Entwicklungsländer endlich die Möglichkeit, Nahrungsmittel für die ganze Welt anzubauen und dafür faire Preise zu bekommen. Das Problems des Hungers auf der Welt wäre mit einem Schlag gelöst.

      Stattdessen faselst Du etwas von leeren Regalen, die niemand auf der Welt nützen.

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