Schneeballsystem Eurozone

Die Uhr tickt.

 In einem Artikel von Markus Fugmann brachte die “Finanzmarktwelt” letzte Woche das Problem der Eurozone auf einen Nenner: SCHNEEBALLSYSTEM, hier:

http://finanzmarktwelt.de/hintergrund/die-wohlstandsillusion-schneeballsystem-eurozone/die-wohlstandsillusion-schneeballsystem-eurozone.html

Das Schneeballsystem wird vom Autor folgendermassen charakterisiert:

Europas Banken finanzieren Staaten durch den Kauf von Staatsanleihen, die EZB finanziert die Banken, und die Staaten garantieren die Banken.”

Was er also mit “Schneeballsystem” meint, wird klar: Es ist ein Kreislauf. Die drei Institutionen Staat, Banken und Eurpäische Zentralbank (EZB) garantieren sich gegenseitig und solange das gut geht, wird der grosse Knall ausbleiben.

Nur kann man bereits voraussehen, an welcher Stelle der Kreislauf wahrscheinlich zusammenbricht: Die Banken haben riesige Verluste mit extrem gefährlichen Geschäften gemacht, die alle am 15. September 2008 aufflogen. Sie sind vollständig unterfinanziert, weil sie kein nennenswertes Eigenkapital haben. Bricht eine der grossen Banken in Europa zusammen, werden die Staaten (und Deutschland allen voraus) die Verluste zu tragen haben.

So gross der Schneeball auch werden mag, während er den Hang hinunterrollt und dabei immer grösser wird, so wird er doch in einem bestimmten Moment mit aller Wucht unten aufschlagen und alles wegräumen, was ihm im Wege steht: Der grosse Knall – und diesmal wird es nicht nur eine Bank sein, die Pleite geht wie am 15. September 2008 die Lehmann Brothers, es werden reihenweise Banken und dann auch Firmen zahlungsunfähig werden und die Staaten werden versuchen zu retten, was zu retten ist. Nur, der Gesamtumfang wird einfach zu gross sein.

Der oben genannte Artikel sagt dann folgendes voraus: “…und dann heisst es Abschied nehmen von unserer Wohlstandsillusion.”

Zudem kommt laut diesem Artikel novh etwas Erschwerendes hinzu: Aus Japan kommt Kapitalflucht in die Euro-Zone. Der Yen wird jetzt mit Macht entwertet und das japanische Kapital fürchtet Verluste, wenn ihr Kapital in Japan bleibt. Man investiert massiv in die europäische Peripherie, für die Deutschland ja praktisch bürgt und so wird der deutsche Steuerzahler am Tag X auch noch das japanische Kapital erstatten helfen müssen.

Na, dann Prost Mahlzeit!

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· Gelesen: 7243 · Heute: 5 · Letztmalig: 24. September 2016

7 Gedanken zu “Schneeballsystem Eurozone

  1. Sehr geehrter Herr Weiss,

    ich weiß nicht warum immer nur die Staaten an den Pranger gestellt werden, siehe Herrn Fugmann. Die Darstellung gipfelt immer wieder darin, als wären sie die Auslöser der Krise im Finanzmarkt, obwohl jeder weiß, dass die Krise ihren Ausgang in maroden Krediten an den Privatsektor hat. Irritierend ist dabei, dass so getan wird, als ob eine Volkswirtschaft nur aus dem Sektor Staat besteht, obwohl bekannt sein dürfte, dass es in einer Volkswirtschaft daneben noch die Sektoren Unternehmen, Banken und priv. HH. gibt. Über deren Verschuldung wird kein Wort verloren.

    Da meldet die US-Bundesregierung, dass vier sehr große US-Banken 93% der Nominalbeträge der gesamten Bankenbranche und 81% des Netto-Kreditrisikos der Industrie vertreten.” Wenn sie einbrechen, würde fast die gesamte US-Wirtschaft abstürzen und brennen.” Bsp.: JPMorgan Chase: Totale Vermögenswerte: knapp über 1,8 Billionen Dollar. Insgesamt in Derivaten: mehr als 69 Billionen Dollar.
    Citibank: Totale Vermögenswerte: $ ein bisschen mehr als 1,3 Billionen US-Dollar. Insgesamt in Derivaten: mehr als 52 Billionen US-Dollar.
    Der US-Staat hat sich mit rd. 5 Billionen (Trillion) $, beginnend unter Bush jun., als “lender of last resort”, auch diese beide Banken wurden gerettet, zur Rettung der Banken verschuldet. Denn verkaufte Derivate sind Schulden. Carlyle, Blackstone, Apollo haben 2013 ein Plus von 13 % an eingesammelten Geld gemeldet, Summe nur dieser drei Fonds 431 Mrd. $. Ein Fonds hat Schulden ggü. seiner Gläubigern.
    http://www.nzz.ch/finanzen/anleihen/833-billionen-dollar-schulden-1.18197550, 4.12.13: “Die anhaltende Niedrigzinspolitik der Notenbanken hat Firmen dazu gebracht, sich in einem Ausmass am Kapitalmarkt zu verschulden, dass sie nun einen Berg an Verbindlichkeiten angehäuft haben: In den nächsten zehn Jahren müssen sie 8,33 Bio. $ zurückzahlen, wie Zahlen von Dealogic zeigen. ”
    Deutsche Banken haben investiert=Kredite verliehen, in Europa 1,5 Bio. €. Bsph.: GB, an Banken 145.194 Mio. €, Unternehmen 228.513 Mio. €, öff. Hand 5.872 io. €. F: Banken 92.403 Mio. €, Unternehmen 61.209 Mio., öff. Hand 13.400 Mio. €. Die Zahlen der BuBa weisen dieses Verhältnis, zu 2/3-tel gingen die Gelder in den privaten Sektor der Volkswirtschaften, für alle Länder auf.
    Island war noch 2007 das fünftreichste Land der Welt. Der Reichtums beruhte auf dem rasanten Wachstum der drei größten isländischen Banken Kaupthing, Glitnir and Landsbanki. Bilanzwert wurde im Zeitraum zwischen 2000 und 2007 von 100 % des isländischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf knapp 800 % gesteigert. Eine solche Zunahme um das Achtfache wurde nur noch von den Schweizer Banken übertroffen.Die Krise war da: Innerhalb einer Woche brachen die “großen drei” zusammen und wurden vom Staat übernommen. Die Ratingagentur Moody’s führte sie auf der Liste der elf größten Bankencrashs der Geschichte. Belegt ist, dass sie nicht das Fugmannsche “Schneeballsystem” gespielt haben. Fakt, der isl. Finanzmarkt und Spekulationen im Ausland haben Island zerstört.

    Schuldenmeister: Irland, Stand 2011
    Gesamtverschuldung: 1166 % des BIP, darunter: Banken 689 %, Unternehmen 245 %, private Haushalte 123 %, Staat: 109 %, 2007 lag der Staat bei 25 % des BIP. Er hat die Schulden der drei anderen Sektoren als eigene Schulden übernommen und damit bes. die Banken, nein, deren in- u. ausl. Gl. gerettet. Dtsche. Banken=Gläubiger wurden gerettet: Kredite an Banken 43.025 Mio. €, Unternehmen 69.318 Mio. €, öff. Hand 2.364 Mio. € (Quelle: Bundesbank). Auch dieses Schema finden sie in ganz Europa wieder.
    Spanien
    Gesamtverschuldung: 457 % des BIP, darunter: Unternehmen: 192 %, Banken: 111 %, private Haushalte: 87 %, Staat: 67 %; Stand 2007: 40 % (Eurostat). In ESP platzte die Immoblase, auch hier kein Schneeballsystem à la Fugmann. Der Staat übernahm ihm fremde Schulden um das span./europ. Finanzsystem zu retten!

    Herr Sinn hat die Sanierungskosten der Banken in Europa auf rd. 4 Billionen € taxiert. 23.12.2013: Es erschien auf der EU-Webseite die Pressemeldung der EU-Kommission über die bereits erwartete Übersicht über die staatlichen Beihilfen für Banken (Quelle: http://ec.europa.eu/competition/state_aid/scoreboard/index_en.html) Das sind die gesamten seit dem 1. Oktober 2008 genehmigten und bereit gestellten Beihilfen für den Finanzsektor in Form von Rekapitalisierung, Garantien und Liquiditätshilfen, über die die Kommission im vergangenen Jahr etwa zur gleichen Zeit (http://ec.europa.eu/competition/state_aid/studies_reports/2012_autumn_de.pdf) schrieb. Auf Seite 9 finden Sie die Zahl von 5.058,9 Mrd. Euro.
    Die FAZ titelt http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/schuldenkrise-die-suche-nach-europas-zombiebanken-beginnt-12612530.html, bald durchforstet die Europäische Zentralbank die Bilanzen von 130 Großbanken nach faulen Krediten und wertlosen Posten. Heikle Fragen sind noch offen: Was, wenn sie fündig wird?
    WSJ: http://www.wallstreetjournal.de/article/SB10001424127887323741004578420191306271094.html. Vor fünf Jahren brach die Bankenkrise aus, inzwischen stecken wir in einer Eurokrise, und ein Ende ist nicht in Sicht. Die eine ist von der anderen nicht zu trennen, auch wenn inzwischen alle mit dem Finger auf die Schuldensünder aus Südeuropa zeigen. Eine Zwischenbilanz.
    Überall geht es nur um marode Banken und deren marodes, im In- wie im Ausland, Engagement besonders in den Sektoren Banken, Unternehmen, priv. HH.. Überall haben die Staaten den Finanzbereich gerettet, in dem sie dessen Schulden wie eigene Schulden übernommen haben. Jetzt sind sie pleite und die Finanzindustrie ist gerettet.
    Was motiviert Sie, Herr Weiss, auf die offensichtliche Propaganda herein zu fallen, dass ein Schneeballsystem der Staaten der Auslöser sein soll und, dass eine Volkswirtschaft nicht nur aus dem Staat besteht. Wieso ersetzen Sie, uvam., Makroökonomie durch die Sichtweise der Mikroökonomie? Hoffentlich nicht deshalb, weil es so schön in die eigene Ideologie passt!

    • Sie schreiben da viel Richtiges.
      Dann plötzlich behaupten Sie, ich würde alle Schuld nur den Staaten zuweisen.
      Ich habe aber ganz klar gemacht: Es ist ein Schneeballsystem der Banken, der Staaten und der Zentralbank.
      Und das ist genau, was Sie sagen.

  2. Hallo Karl, so ist das, aber das ist eigentlich nichts neues. Wenn die EZB wieder einmal einen Aktionstag veranstalltet, können sich wieder alle fast Zinsfrei eindecken. Wichtig ist das wir alles brav glauben und zufrieden weiter ackern. So hat alles sein Ordnung ;-)

    Und Putin sagte kürzlich in einem Interview, “die Europäer haben Europa aufgegeben”. Damit hat er vielleicht gar nicht so unrecht. Es ging im Interview auch um die Homosex. in Russland. Die Russen finden, ok jeder tut privat was er will, aber lasst die Kinder in Ruhe.

  3. “Wohlstandsillusion”. So ein Käse.
    Der Wohlstand ist real – wir haben Wohnungen, Nahrung, Straßen, Energie, Autos, …
    Das Geld ist die Illusion. Der Mensch glaubt, es habe für sich einen Wert. Diesen Wert gibt es aber nicht, es ist nur so viel “Wert” wie der Mensch will. Daher gibt es auch keine Finanz”industrie”, Geld lässt sich nicht ohne Nebenwirkungen vermehren ohne dass die Produktbasis im ähnlichen Maße vergrößert wird.
    Basis ist und wird auch immer sein: die Realwirtschaft. Am Ende stehen immer Produkte.
    Auch die Finanzmarionetten werden das irgendwann begreifen müssen.

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